Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 08.07.2010

Wo gibt es die Tickets?

Keine Hilfe beim Fahrscheinkauf

Neulich habe ich zum ersten Mal die Fähre benutzt, die zwischen der Haltestelle "Auf dem Kiewitt" und Hermannswerder verkehrt, um mein Fahrrad bei den gemeinnützigen Werkstätten der Diakonie zur Reparatur abzugeben. Dabei war weder an der Anlegestelle, noch im Fahrgastraum ein Automat oder ein Hinweisschild zu finden, wo und wie Fahrkarten erworben werden können. Da beim Einstieg und im Fahrgastraum kein Personal zugegen war, ging ich davon aus, dass der Fahrkartenverkauf beim Ausstieg erfolgt, wie es bei manchen Fähren in Brandenburg der Fall ist. Als ich nach der Überfahrt vom Personal eine Fahrkarte erwerben wollte, wurde mir ein erhöhtes Entgeld in Rechnung gestellt. Mir wurde gesagt, dass ich einen Fahrschein beim Fährmann hätte kaufen müssen.

Abgesehen davon, dass es hierzu keinen Hinweis gab, hätte ich einen Bereich betreten müssen, dessen Zugang mir untersagt ist: Ich hätte beim Einstieg die Ausstiegseite betreten und eine Leiter besteigen müssen, die mit "Zutritt nur für Personal" gekennzeichnet ist. Als ich anschließend den Fährmann aufsuchte und ihm meine Situation erläuterte, hatte er durchaus Verständnis und verkaufte mir ein Ticket.

Die Sache hätte damit erledigt sein können, doch stellten sich die von der VIP als Kontrolleure eingesetzten jungen Männer demonstrativ vor den Stempelautomaten, so dass eine Entwertung des Fahrscheins nicht möglich war. Offenbar geht es hier vor allem um die erfolgreiche "Schwarzfahrer-Quote" und weniger um die Berücksichtigung eines Missstandes.

Während die mitfahrenden Schüler und Lehrer mit der Praxis vertraut sein mögen, gibt es für den Gelegenheitsnutzer aufgrund mangelnder Hinweisschilder keine Chance, eine Information zu erhalten. Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, wie weit die VIP davon entfernt ist, ein Dienstleister zum Wohle der Bürger zu sein. Auch als ich im Kundenbüro zur Klärung des Sachverhalts nach einem Ombudsmann fragte, zuckte man nur mit den Schultern.

Wie gut, dass kein Tourist an Bord war.

Carsten Herzberg, Potsdam

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten