Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 15.01.2011

Mammut-Baustelle am Rathaus Friedrich-Ebert-Straße soll barrierefrei werden – das könnte die Nord-Tram neun Monate lahm legen (15.01.11)

Der für 2010 vorgesehene barrierefreie Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße zwischen Rathaus und Nauener Tor soll nunmehr im März beginnen. Das kündigte der Behindertenbeauftragte der Stadt, Karsten Härschel, am Donnerstagabend in der Sitzung des Potsdamer Behindertenbeirates an. Die Arbeiten sollen laut Härschel das ganze Jahr über andauern.

Sicher ist der Baustart im März allerdings noch nicht: Es stehe nicht fest, ob die Baumaßnahme in 2011 durchgeführt werden könne, sagte gestern Stadtwerke-Sprecher Stefan Klotz auf PNN-Anfrage. Denn die aufwendigen Arbeiten seien an die "Erfüllung verschiedener Randbedingungen" geknüpft, so Klotz. An deren Lösung werde gearbeitet. Problematischer Kernpunkt sind nach Aussagen des Behindertenbeauftragten vor allem die Verkehrsbehinderungen durch die Bauarbeiten. Der Bereich am Rathaus müsste dann laut Härschel für Straßenbahn, Linienbusse und den Individualverkehr komplett gesperrt werden. Dies würde bedeuten, dass der Norden vom Tramnetz quasi abgehängt wäre. Außerdem müssten die Potsdamer ein Dreivierteljahr mit erschwerter Erreichbarkeit des Stadthauses leben. Und selbst dieser Bau-Zeitplan scheint knapp: Um ihn einzuhalten, müssten die Baubetriebe mit voller Kraft ans Werk gehen. Ein abschnittsweises Vorgehen, also zuerst die linke, dann die rechte Straßenhälfte, sei nicht möglich. Üblich seien bei einem so schwierigen Vorhaben sonst Bauzeiten von zwei und mehr Jahren, antwortete Härschel auf Fragen aus dem Beirat.

Stadtwerke-Sprecher Klotz sagte gestern, wenn alle Voraussetzungen für die Bauarbeiten geregelt seien, werde es Bürgerversammlungen, Veranstaltungen des Kundenbeirats des Potsdamer Verkehrsbetriebs (VIP) und des Behindertenbeirats sowie eine ausführliche Information der Bürger geben.

Laut Härschel sieht der barrierefreie Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße vor, dass es an beiden Straßenbahn- und Bushaltestellen stadtaus- und stadteinwärts einen stufenlosen Zugang für Rollstuhlfahrer und andere Behinderte gibt. Dies geschieht durch eine Verbreiterung der Gehwege in Richtung Schienen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Fahrbahn an beiden Seiten zu verschmälern. Die Radwege sollen hinter den neuen Gehwegen entlang geführt werden. Laut Härschel sind die Arbeiten aufwändig, weil sie mit einer Erneuerung der im Boden verlaufenden überalterten Versorgungsleitungen verbunden sind. Der Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße soll in den kommenden Jahren Richtung Platz der Einheit mit den Haltestellen Nauener Tor und Brandenburger Straße fortgesetzt werden.

Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts sollen Behinderte am Stadthaus und an den anderen Haltestellen dann in die neuen Niederflurbahnen einsteigen. Davon sollen wie berichtet 2011 zunächst drei gekauft werden und in den nächsten Jahren weitere sieben. Die Variobahnen werden von Stadler in Velten gebaut. Der Behindertenbeirat wird dort wie Vertreter anderer ViP-Kundengruppen im Frühjahr Gelegenheit erhalten, ein als Muster gebautes Fahrzeug zu begutachten und dem Unternehmen – das bekanntlich im Zusammenhang mit dem S-Bahn-Chaos in Kritik geraten ist – Veränderungsvorschläge zu unterbreiten.

Dieses Angebot wurde vom Beiratsvorsitzenden Jan-Peter Schmarje begrüßt. Dagegen fühlt sich die Arbeitsgruppe Barcelona – nach der in der spanischen Stadt beschlossenen Charta zur Barrierefreiheit benannt – vom Kommunalen Immobilienservice (KIS) unzureichend einbezogen. So habe sie behindertengerechte Maßnahmen im Stadthaus durchgesetzt, sei über deren Umsetzung aber zu spät informiert und bei der Begutachtung unter Zeitdruck gesetzt worden. Der Beirat will nun um ein klärendes Gespräch mit KIS-Chef Bernd Richter bitten. E. Hohenstein

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten