Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 24.05.2011

Neuer ViP-Geschäftsführer benannt

Martin Grießner hält an Kauf von Variobahnen fest / Hersteller sieht Probleme mit Tram nicht als hausgemacht

von Guido Berg

Der Potsdamer Verkehrsbetrieb ViP hat einen neuen Chef: Nachdem der Aufsichtsrat Martin Weis das Vertrauen entzog, berief er nun den bisherige Prokuristen Martin Grießner zum Geschäftsführer des ViP. Der 48-jährige Diplom-Kaufmann erklärte gestern den PNN, die Zeitdauer seines Vertrages sei noch nicht entschieden. Grießner übernimmt den Verkehrsbetrieb in einer wichtigen Phase. Derzeit dreht Potsdams erste Variobahn täglich Runden auf dem ViP-Betriebshof und wird "ausführlich getestet", wie Grießner sagte. Gleichzeitig jedoch mehren sich Nachrichten von Problemen mit der Variobahn in anderen Städten Europas.

So gibt es Anwohner-Beschwerden im österreichischen Graz hinsichtlich des Fahrlärms und entstehender Vibrationen – "unsere Gesundheit und Liegenschaften haben bereits Schaden genommen", schrieb eine Bürgerinitiative an den Grazer Gemeinderat. In München gingen bereits zugelassene Variobahnen wieder außer Betrieb und stehen bis heute im Depot. Aus dem norwegischen Bergen kommen Meldungen über Unfälle mit Variobahnen. Vor diesem Hintergrund geht in Potsdam die Frage um, ob Brandenburgs Landeshauptstadt die zweite und dritte Tranche über insgesamt acht weitere Variobahnen kaufen sollte, bevor nicht wenigstens ein Fahrzeug zugelassen ist. Nach Aussage des Finanzbeigeordneten Burkhart Exner (SPD) muss sich Potsdam bis zum 31. Juni dieses Jahres entschieden haben, ob die Stadt zum Stückpreis von etwa 2,5 Millionen Euro nicht nur die bestellten zehn Variobahnen, sondern noch weitere vier dieser Bahnen kaufen will. Grießner ergänzte, bis Ende Februar 2012 müsse dann die Entscheidung über den Kauf weiterer vier Fahrzeuge fallen. Der neue ViP-Chef erklärte, er sei zuversichtlich, dass Potsdam sich für den Erwerb aller 18 Variobahnen entscheiden werde.

Stadler-Sprecherin Katrin Block führte die Probleme in den genannten Städten auf Besonderheiten vor Ort zurück. "Das ist alles kein Hersteller-Thema." Die Unfälle in Bergen fänden ihre Ursache in der Tatsache, dass sich die norwegische Stadt in den 1960er Jahren von den Straßenbahnen verabschiedete und erst jetzt wieder ein neues Tramsystem aufbaut. Daher sei die Tram für viele Autofahrer "ein ungewohnter Verkehrsteilnehmer". Es habe "viele Blech-, aber keine Personenschäden" gegeben. In München, so die Sprecherin, waren die Bahnen bereits zugelassen. Dann habe ein neuer Mitarbeiter in der Zulassungsbehörde seinen eigenen Gutachter angezweifelt, worauf dieser seine Untersuchung zurückzog und nun der Zulassungsprozess von vorn beginne. In Graz werde intensiv an der Variobahn gearbeitet, es seien Federn ausgetauscht und ein neues Rad entwickelt worden, um Vibrationen abzubauen. In Bochum und Nürnberg fahre die Bahn problemlos. Und es gebe weitere gute Nachrichten über die Niederflurbahn: Am morgigen Mittwoch versuche eine Variobahn auf der Teststrecke in Velten (Oberhavel) ins Guinnessbuch der Rekorde zu gelangen – angetrieben von einer Batterie. Damit soll die Bahn dereinst einen Kilometer ohne Stromleitung durch den englischen Garten in München zurücklegen.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten