Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 27.05.2011

Golmer Tram in Arbeit

Wissenschaftspark bemängelt Verkehrsanbindung von Günter Schenke

Golm - Die Überlegungen zu einer Straßenbahnlinie nach Golm sind nicht vom Tisch. Das teilte der Bereichsleiter für Stadt- und Verkehrsentwicklung Bernd Kahle gestern auf einer öffentlichen Veranstaltung im Max-Planck-Hörsaal im Golmer Wissenschaftspark mit.

Laut einer Studie des Ingenieurbüros Zauft hätten die Studierenden den Löwenanteil an der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Da der Transport mit Bussen in den Spitzenzeiten an die Kapazitätsgrenze stoße, gebe es Überlegungen für eine Straßenbahn. Diese solle im Zehn-Minuten-Takt verkehren und auf ihrem Nord-Ast zweigleisig durch die Lindstedter Straße führen.

"Wir reden über einen Entwicklungsstandort und nicht über ein schrumpfendes Gebiet", sagt Kahle. Derzeit arbeite die Verwaltung am Stadtentwicklungskonzept zum Verkehr. Sein Bereich werde den Stadtverordneten eine weitere Untersuchung zur Optimierung der Tram-Anbindung nach Golm vorschlagen. "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen", beruhigte Kahle aufkommende Proteste aus dem Publikum.

Zirka 150 Interessierte waren der Einladung zur Informationsveranstaltung über "Verkehrskonzepte für Golm" gefolgt. Standortmanager Friedrich Winskowski zeichnete ein Schreckensbild über die derzeitige Erreichbarkeit des Wissenschaftsparks, in den täglich bis zu 8 000 Menschen mit dem ÖPNV pendeln. "Mit dem Auto kommen nur wenige", sagt er. "Wie komme ich überhaupt nach Golm ?", würden Ansiedlungswillige fragen und oft das Handtuch werfen, wenn sie von der schwierigen Erreichbarkeit hören. "Max-Planck- und Fraunhofer-Institute sind international Champions League, aber die Verkehrsanbindung ist miserabel", so Winskowski.

Rainer Höfgen, der die Veranstaltung moderierte, projizierte eine Karikatur, die das Durchschlagen des "Golmischen Knotens" in Analogie zur antiken Sage zeigt. Die Knotenlösung deutet sich derzeit kaum an. Dabei gibt es mitten im Wissenschaftspark einen Bahnhof. Eine Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam aus dem vorigen Jahr setzt daher voll auf mehr Transportleistung der Bahn (PNN berichteten). Timo Schneider von der IHK erläutert, dass die Fahrzeit des Regionalexpresses R1 durch kürzere Wendezeiten erheblich geringer werden könne. Spurtstarke Doppelstock-Züge und moderne Koppelungen sollen das ermöglichen.

Hingegen setzt Thomas Dill, Manager bei der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH, auf herkömmliche Fahrplanverbesserungen und verkündet, dass bereits dieses Jahr im Regionalverkehr praktisch ein 15-Minuten-Takt des R1 erreicht werde. Allerdings gibt es ab Dezember eine neue Verknotung, wenn die Regionalbahnen in Wannsee wegen mindestens einjähriger Bauarbeiten gekappt werden. Dann hängt alles an der S-Bahn-Linie S 7. Günter Schenke

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten