Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 23.06.2011

Gegner wollen Tramplanungen stoppen

Eicher Einwohner wollen Untersuchung auf Eis legen / Verwaltung empfiehlt weitere Prüfung

von Marco Zschieck

Eiche - Im Streit um den möglichen Bau einer Straßenbahntrasse durch Eiche zum Wissenschaftspark Golm bleiben die Fronten verhärtet. Am Dienstagabend verabschiedete die Einwohnerversammlung des Ortsteils Eiche mit sehr großer Mehrheit eine Beschlussvorlage für die Stadtverordnetenversammlung. Etwa 150 Bürger waren zur Versammlung in der Universität am Neuen Palais gekommen.

Die Beschlussvorlage sieht vor, zunächst abzuwarten, wie sich der Regelbetrieb des Regionalexpresses nach Golm und die Umstellung der Buslinie 606 auf ihre frühere Linienführung auswirken. Dies würde bedeuten, dass vor 2013 keine vertiefende Untersuchung einer Straßenbahntrasse nach Golm beginnen kann, weil die Deutsche Bahn wegen Bauarbeiten zwischen Charlottenburg und Wannsee den Regionalexpress nicht im geplanten Takt fahren lassen kann.

Zusätzlich wurde in die Beschlussvorlage ein Passus aufgenommen, wonach im Falle einer Tramplanung die Nutzung privater Wohngrundstücke und Vorgärten ausgeschlossen werden soll. Damit käme nur noch eine Trassenführung außerhalb der bebauten Gebiete infrage. Die von der Verwaltung angepeilten Fahrgastzahlen wären dann nicht erreichbar. Der Oberbürgermeister muss die Beschlussvorlage nun in der Stadtverordnetenversammlung einbringen. Findet sie eine Mehrheit, wäre es das Aus für eine Straßenbahn nach Golm.

Bis es soweit ist, wollen Anwohner und die Bürgerinitiative nun auf einzelne Abgeordnete zugehen und ihre Argumente gegen die Straßenbahn deutlich machen. Die Stadtverwaltung empfiehlt hingegen eine vertiefende Untersuchung des Straßenbahnbaus. "Die Ergebnisse der bisher vorliegenden ,Zauft-Studie‘ reichen nicht aus, um eine Entscheidung zu treffen", begründete Bernd Kahle, Bereichsleiter Verkehrsentwicklung, in der Einwohnerversammlung. Dazu müssen die Stadtverordneten einen Auftrag erteilen. Erst dann können Fahrgastzahlen, Kosten und Trassenführung im Detail untersucht werden. Bisher seien noch viele Schätzwerte dabei. Auch müsse mit der Schlösserstiftung gesprochen werden, weil die Trasse das Weltkulturerbe berührt. Man müsse abwägen, so Kahle. Eine nachhaltige, ökologische Mobilität sei auch ein wichtiger Faktor – und der spreche für die Tram.

Nach dem bisherigen Stand favorisiert die Stadverwaltung eine Trasse durch Eiche über die Lindstedter Straße. Dabei würden auch Vorgärten für den Bau beansprucht. "Natürlich braucht die Tram Flächen, sie ist ja kein Zeppelin", so Kahle. Nach bisherigen Erkenntnissen kostet diese 5,1 Kilometer lange Anbindung von Golm 34 Millionen Euro und soll von bis zu 10 000 Fahrgästen täglich genutzt werden.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten