Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 07.09.2011

In der Berliner Straße wird es eng

Zwei Tram-Haltestellen wurden barrierefrei umgebaut. Nun gibt es Kritik an der Bauweise

von Marco Zschieck

Berliner Vorstadt - Zwei Haltestellen in der Berliner Straße haben die Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) umbauen lassen. Nun drängen sich die Wartenden auf einem schmalen Streifen. Autos müssen über Rampen fahren. "Unsere Fahrgäste und wir werden die ersten Erfahrungen mit überfahrbaren Haltestellenkaps machen", teilte Stefan Klotz vom Verkehrsbetrieb mit. Gemeint sind damit Haltestellen, bei denen die Fahrbahn zwischen Gleis und Gehweg auf das Niveau des Gehwegs angehoben wird.

Umgebaut wurden die Haltestellen Mangerstraße und Ludwig-Richter-Straße, an denen die Straßenbahnlinie 93 und die Buslinie N 16 verkehren. In der Nähe befindet sich auch das Oberstufenzentrum Johanna Just, dessen Schüler die Haltestelle nutzen. Dort ist man angesichts der neuen Gestaltung der Haltestellen gar nicht froh. "Die Bauweise ist gefährlich", sagte Schulleiterin Monika Landvoigt auf Anfrage. Nach Schulschluss drängen sich zahlreiche Fahrgäste auf einem schmalen Streifen neben den Gleisen anstatt auf dem Gehweg zu warten. Die vom ViP beabsichtigte Nutzung ist für die Fahrgäste offenbar schwer durchschaubar. An anderen Haltestellen in der Berliner Straße gibt es sogenannte Haltestelleninseln mit einem Wartebereich in der Straßenmitte, die mit einem Geländer abgegrenzt sind.

Dieser Haltestellentyp ist in Potsdam neu. Andernorts wird diese Bauweise bei der Erneuerung von Haltestellen seit Jahren verwendet – beispielsweise in Dresden und Leipzig. "Es gibt keinerlei Probleme mit der Akzeptanz durch die Fahrgäste", so Gerd Muske, der bei den Leipzig Verkehrsbetrieben für die Haltestellen zuständig ist. Wie man eine Haltestelle umbaue, richte sich in nach der Straßenbreite. Ziel sei immer einen barrierefreien Einstieg zu ermöglichen. Wenn der Platz nicht für eine Haltestelleninsel reiche, könne auch die Straße bis an das Gleis verengt werden, so dass direkt vom Gehweg aus eingestiegen werden kann. Die andere Variante seien die überfahrbaren Haltestellenkaps, so Muske. Dabei sollte vor der Haltstelle allerdings eine "schlafende" Ampel stehen, die von der näher kommenden Straßenbahn ausgelöst wird und nachfolgende Autos aufhält. Diese Ampeln gibt es bislang nicht in der Berliner Straße.

ViP und Stadt erklärten, dass der motorisierte Fahrzeugverkehr gemäß der Straßenverkehrsordnung hinter der einfahrenden Straßenbahn halten müsse. "Ein- und aussteigende Fahrgäste haben so die Möglichkeit die Fahrbahn sicher zu queren", teilte Regina Thielemann, Sprecherin der Stadtverwaltung, mit. Die Belange der Fahrgäste, des Betreibers, der anderenVerkehrsteilnehmer und die örtlichen Verhältnisse wurden berücksichtigt und abgewogen. In der Berliner Straße wurden in den letzten Monaten 870 Meter Gleisanlagen modernisiert. Nun geht es für die Autofahrer vor und nach den Straßenbahnhaltestellen über Rampen auf und ab. "Wenn sich diese Haltestellenbauweise bewährt, kann sie auch an anderen Stellen in der Stadt – zum Beispiel entlang der Friedrich-Ebert-Straße – eingesetzt werden", teilte der ViP mit. Die Kosten für den Umbau seien vergleichbar mit denen für andere Haltestellen. Die Haltestellen seien umgebaut worden damit Rollstuhlfahrer gut in die Niederflurbahnen einsteigen können.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten