Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 11.11.2011

Ticketkauf mit Münzen, Scheinen oder EC-Karte

ViP tauscht alle Fahrkartenautomaten aus und schickt eine Vario-Tram auf Werbetour für die Forschung

Wer kennt die Situation nicht: Auf den letzten Drücker in die Tram gehetzt und in der Geldbörse sind nur noch ein paar Cent. Was nun? Aussteigen oder schwarz fahren und hoffen, dass kein Kontrolleur kommt? Spätestens in vier Monaten soll niemand mehr in diese Schweißperlen-Situation kommen. Denn bis März 2012 will der Verkehrsbetrieb ViP alle 131 Fahrkartenautomaten in seinen Bussen und Straßenbahnen ausgetauscht haben. Erstmals können die Fahrgäste dann ihr Ticket auch mit Geldscheinen oder EC-Karte bezahlen – die alten Automaten konnten nur mit Münzen oder Geldkarte gefüttert werden. Das kündigte ViP-Chef Martin Grießner am Donnerstag an.

Die ersten vier Vario-Bahnen von Stadler sind bereits mit den neuen Automaten ausgestattet, außerdem zwei Busse. An den je 14 000 Euro teuren Maschinen ist künftig nicht nur das Bezahlen leichter – auch die Bedienung wurde übersichtlicher gestaltet. Den Touchscreen – ein Bildschirm, der auf Fingerdruck reagiert – und die Bedienelemente haben Mandy Hoffmann, Sabine Richter und Sebastian Schwinkenhoff entwickelt, Interfacedesign-Studenten an der Fachhochschule Potsdam. Die jungen Leute haben bereits während der Entwicklung die künftigen Nutzer, also die Fahrgäste, einbezogen und die Entwürfe so auf die Gebrauchstauglichkeit testen lassen. Touristen wird es besonders freuen, dass die neuen Ticketautomaten zweisprachig sind – Deutsch und Englisch. Aufgelistet sind zudem wichtige Sehenswürdigkeiten wie Sanssouci, der Filmpark oder das Holländische Viertel. Erweitert wird auch das Fahrscheinangebot an sich: So kann man etwa Zeitkarten für den gesamten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg nun direkt am Automaten ziehen.

Mit der vierten von Stadler angeschafften Vario-Niederflurbahn wirbt der ViP für den Wissenschaftsstandort Potsdam. Noch dreht das Gefährt nur Testrunden, aber sobald Brandenburgs Infrastrukturministerium die Freigabe erteilt hat, verstärkt sie die reguläre Tramflotte. Ein bis zwei Wochen, schätzt Grießner, wird das noch dauern. Das Potsdamer Büro Kurzweg-Walther gewann einen Grafikerwettbewerb, bei dem fünf Agenturen um Ideen gebeten worden waren.

Franziska Walther und Saskia Kurzweg rückten zwei der über 30 außeruniversitären Forschungseinrichtungen stellvertretend für alle in den Mittelpunkt – das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) sowie das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF), weil ihre Anfangsbuchstaben Beginn und Ende des Alphabets markieren. Das AWI vertritt die Naturwissenschaften – als Hingucker blickt eine dick eingemummte Frau mit Eisklümpchen an den Augenbrauen und Wimpern von der Tram. Sie arbeitet auf der Forschungsstation in Spitzbergen. Das ZZF wird mit einem schneckenförmigen Zeitstrahl symbolisiert. Die Kosten für die Tramgestaltung von 10 000 Euro trägt die Stadt. Denn: "Dass Potsdam ein bedeutender Wissenschaftsstandort ist, hat sich leider noch nicht überall herumgesprochen", sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Peer Straube

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten