Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 23.05.2016

ViP-Chef Grießner will die Stadtwerke verlassen

von Henri Kramer

Der nächste Wechsel bei den Potsdamer Stadtwerken: Martin Grießner, Geschäftsführer des Verkehrsbetriebs ViP, zieht sich zurück. Hintergrund ist offenbar ein Streit um die künftige Konzernstruktur.

Potsdam - Der kommunale Stadtwerke-Konzern kommt nicht zur Ruhe – für seinen Verkehrsbetrieb (ViP) muss nun ein neuer Chef gesucht werden. Nach einer Sitzung des Aufsichtsrats hat der bisherige kaufmännische Geschäftsführer Martin Grießner den rund 400 Mitarbeitern des Unternehmens mitgeteilt, „dass ich aus persönlichen Gründen nicht bereit bin, meinen zum 17. Januar 2017 auslaufenden Anstellungsvertrag zu verlängern.“ Das geht aus einer den PNN vorliegenden internen E-Mail Grießners hervor. In dieser heißt es weiter, der Rückzug sei bereits im Aufsichtsrat bekannt gegeben worden, laut Grießner – ausdrücklich auf seine Bitte – durch Gremienchef Burkhard Exner (SPD), der auch Potsdams Finanzdezernent ist.

Auf Anfrage äußerte sich Grießner am Montag nicht weiter zu den Hintergründen. Seit 2004 war er Prokurist beim ViP, seit 2011 Geschäftsführer – in einer Doppelspitze neben Technikchef Oliver Glaser.

Schon vor zwei Wochen hatten die Stadtwerke kurzfristig zwei Geschäftsführer der Tochterfirmen Energie und Wasser Potsdam (EWP) und Stadtentsorgung (Step) suspendiert, weil diese eigenmächtig gehandelt haben sollen. Laut einem ersten Sonderprüfbericht der Stadtwerke sollen sie einer nicht mehr beschäftigten Prokuristin der Step über Jahre hinweg Gehaltserhöhungen und Sonderzahlungen von insgesamt bis zu 400.000 Euro zugebilligt haben – ohne die zuständigen Gremien zu informieren (PNN berichteten). Ein detaillierter Bericht zu den Vorwürfen, derzeit arbeiten externe Anwälten für Straf- und Wirtschaftsrecht an den Vorgängen, wird in der nächsten Zeit erwartet.
Die Stadtwerke Potsdam im Umbruch

Mit diesen Schlagzeilen habe Grießners Rückzug zwar nichts direkt zu tun, hieß es am Montag hinter vorgehaltener Hand aus dem Konzern – mit einem Umsatzerlös von zuletzt mehr als 250 Millionen Euro eines der wichtigsten Unternehmen der Stadt. Allerdings hieß es bereits vor zwei Wochen aus dem Unternehmen gegenüber den PNN, parallel zu den erhobenen Vorwürfen werde derzeit auch Druck auf Geschäftsführer weiterer Stadtwerke-Töchter ausgeübt, ein struktureller Umbau des Unternehmens vorbereitet. Ohnehin stehen die Stadtwerke vor einem Umbruch, da Geschäftsführer Wilfried Böhme in den Ruhestand geht und ein Nachfolger gefunden werden muss.

In dem Zusammenhang steht nach PNN-Informationen auch Grießners angekündigter Rückzug, da dieser nicht mehr hundertprozentig mit der geplanten Ausrichtung des Konzerns einverstanden gewesen sei. Demnach sei vorgesehen, dem Mutterkonzern als sogenannter Führungsholding größeren Einfluss auf die Tochterfirma zu ermöglichen – speziell im kaufmännischen Bereich. Demnach hätte Grießner in absehbarer Zeit an Einfluss verloren. Daher suche er sich nun ein neues berufliches Umfeld. Mit Grießner verliere die ViP einen hervorragenden Fachmann, hieß es weiter. Das Unternehmen befördert jährlich mehr als 30 Millionen Fahrgäste, Tendenz in den vergangenen Jahren steigend. Die Stadtwerke selbst sind dazu etwa noch für die Strom- und Wasserversorgung zuständig.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten