Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 09.09.2006

Trambrücke ohne Nutzen?

Fraktion zitiert aus Brief über eine Proberechnung
Innenstadt - Die Fraktion Die Andere gräbt weiter an den Fundamenten der geplanten Trambrücke parallel zur Langen Brücke. In einer ersten Kritik vor einem Monat stellte sie die Datengrundlage der Kosten-Nutzen-Analyse für das 14 Meter breite Bauwerk infrage.
Nun zitiert die Fraktion aus einem internen Schreiben des Gutachterbüros FGS an die Stadt. Darin soll das Unternehmen die Verlegung der Straßenbahngleise auf der bestehenden Brücke vorgeschlagen haben, da "das Ergebnis eines Probelaufs eine Kosten- Nutzen-Relation unter eins, das heißt die Kosten übersteigen den Nutzen"
ergeben habe. FGS habe demnach empfohlen auf das standardisierte Analyseverfahren zu verzichten, falls sich die Kosten für die Maßnahme nicht senken ließen. Die Kosten für den Brückenbau liegen nach Aussagen der Verwaltung wie einst angegeben weiter bei gut zehn Millionen Euro. Letztendlich hat das Gutachten der FGS einen leicht positiven Effekt
der neuen Brücke für die Potsdamer ergeben.
Zitiert wird aus einem Schreiben, das die Stadtverordnete Ute Grimm bei einer Akteneinsicht unter die Lupe nahm. Baudezernentin Elke von Kuick-Frenz sagte gestern auf Anfrage: Sie kenne ein solches Schreiben nicht. Jedoch habe das Unternehmen FGS mehrfach an die Stadt geschrieben. Beim FGS wollte man sich nicht äußern und verwies auf Firmenchef Michael Höppner, der das Gutachten erstellt hat, gestern jedoch nicht zu erreichen war.
Die Stadt will eine neue Brücke für Straßenbahnen, Busse, Fußgänger und Radfahrer über Teile der Freundschaftsinsel bauen. Dies soll im Zuge der Baufeldfreimachung für das Landtagsschloss am Alten Markt geschehen. Elke von Kuick- Frenz erklärte gestern, die Verlegung der Tramgleise auf der bestehenden Langen Brücke würde statische
Probleme mit sich führen. Zudem sei eine Baustelle bei laufendem Verkehr nicht möglich.
Potsdam mit seinen zwei Havelbrücken könne Baustellen auf beiden Übergängen nicht verkraften. Die Nuthestraße samt Humboldtbrücke soll von diesem Jahr bis 2012 saniert werden. "Das wird ohnehin schon schwer genug", sagte von Kuick-Frenz. Schon allein daher sei eine neue Brücke in der Innenstadt sinnvoll. Die Fraktion Die Andere fordert hingegen, dass die Fördermittelanträge für die neue Brücke zurück gezogen werden.
Zudem hat sich die Fraktion an Brandenburgs Bauminister Frank Szymanski (SPD) unter anderem mit der Bitte gewandt, "gründlich zu prüfen, ob die
Wirtschaftlichkeitsuntersuchung auf plausiblen und nachvollziehbaren Verkehrsannahmen beruht". Laut von Kuick- Frenz werden die Daten in den Fördermittelanträgen, die im Juni und Juli abgegeben worden sind, bis Mitte Oktober aktualisiert. Jan Brunzlow

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten