Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 29.10.2006

150 Tage "Takt plus"

Ein Meinungsbeitrag vom Vorstand des Pro Bahn Landesverbandes Berlin/Brandenburg

Mitte Oktober vor sechs Jahren starteten der gemeinnützige Fahrgastverband PRO BAHN und Potsdam am Sonntag gemeinsam die große ÖPNV-Umfrage.
Die Fahrgastumfrage begann mit einem Grußwort des damaligen Oberbürgermeisters und heutigen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck. Neun Wochen lang konnten alle Nutzerinnen und Nutzer des Potsdamer ÖPNV ihr Mobilitätsbedürfnisse rund um die Uhr in die Umfrage einbringen.

Auf diese Weise wurden insgesamt 12.272 Quell-Ziel-Beziehungen dokumentiert. Diese vorher nicht für möglich gehaltenen Resonanz hatte die kühnsten Erwartungen von PRO BAHN Berlin/Brandenburg und dieser Zeitung erheblich übertroffen. Es war weltweit das erste Mal, dass auf die Aufzeichnung und Auswertung der Fahrgewohnheiten von Fahrgästen in Potsdam in solch einem Detailreichtum erfasst wurde, der im übrigen bei späteren ÖPNV-Befragungen nie wieder erreicht wurde. Das endgültige Ergebnis dieser gewaltigen Umfrage wurde um die Jahreswende 2000/2001 veröffentlicht und hat neue Maßstäbe in der Feststellung der ÖPNV-Nachfrage gesetzt.

Da die Mobilitätswünsche der Bevölkerung erfahrungsgemäß sehr lange konstant bleiben - etwa alle zehn Jahre verändern nur etwa zehn Prozent der Fahrgäste ihre Fahrgewohnheiten - haben die Ergebnisse der großen Umfrage aus dem Jahr 2000 auch heute noch ihre Berechtigung.

Die nachgefragten ÖPNV-Verbindungen boten zu etwa 95 Prozent Anschlussverkehre mit weniger als fünf Minuten Wartezeit beim Umsteigen, wobei diese Wege-Ketten mit der Fahrplanoptimierung von 2001 sogar noch weiter auf knapp 97 Prozent Anschluss-Gewährung gesteigert werden konnten.

Das bedeutete im Klartext, dass man in fast jeder Richtung den ÖPNV quer durch Potsdam ohne jeden Zeitverlust beim Umsteigen benutzen konnte.
Von den damals 50 am stärksten nachgefragten Verbindungen in, von und nach Potsdam gibt es heute mit dem "Takt plus" gerade mal sechs Fahrtrouten, die noch die Verbindungsqualität aus den Jahren 2001/2002 aufweisen. Alle anderen 44 Verbindungen haben erheblich am Beförderungsqualität eingebüßt, mit Wartezeiten beim Umsteigen von bis zu 18 Minuten!
Ein bezeichnendes aber keineswegs extremes Beispiel für den Umgang mit den Fahrgäste des Potsdamer ÖPNV ist die Verbindung Schiffbauergasse zum Hauptbahnhof. Mit der Tram benötigt man zwar nur acht Minuten Fahrzeit, aber mit zehn Minuten Wartezeit am Platz der Einheit wird die Geduld der Fahrgäste auf eine sehr harte Probe gestellt!

Nach Auffassung von PRO BAHN e.V. erklärt die hohe Zahl der gegenüber dem bisherigen Takt 2000 verloren gegangenen Anschlüssen die derzeitig große Unzufriedenheit der ViP-Fahrgäste.
Die Fahrgastbeschwerden über unzumutbare Verbindungen und am Bedarf vorbei fahrenden Linien kommen mittlerweile aus allen Ecken der Landeshauptstadt Potsdam.
Nach 150 Tagen "Takt plus" spricht PRO BAHN infolge des erheblich gesteigerten Einsatzvolumens der Verkehrsmittel von einer auch wirtschaftlichen vernichtenden Bilanz. Eingespart wird nur beim Fahrpersonal, indem die ViP die Wendezeiten an den Endhaltestellen zu Lasten des Fahrpersonals nicht mehr bezahlt.
Die von der Vip ins Spiel gebrachte Zwei-System-Stadtbahn zum zukünftigen Flughafen Berlin-Brandenburg-International (BBI) wird vom Fahrgastverband PRO BAHN als unwirtschaftlich abgelehnt. Abgesehen davon, dass Potsdam endlich zur Kenntnis nehmen sollte, dass diese Bahn in Stahnsdorf und Teltow unerwünscht ist, wird von PRO BAHN bemängelt das die über 15 Prozent breiteren Stadtbahnen mit der beschlossenen Wiederannäherung an den historischen Stadtgrundriss unvereinbar sei.
Der Fahrgastverband PRO BAHN wird in Kooperation mit der Politik eine stadtverträgliche und wirtschaftliche Schnellbahn-Lösung zur Anbindung des Flughafens vorstellen, die auch für einige neue Ortsteile erhebliche Verbesserungen bringen wird.

PRO BAHN Landesverband Berlin/Brandenburg e.V.
Der Vorstand
Dietmar Dalbogk und Dieter Doege

Quelle: Potsdam am Sonntag