Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 01.02.2007

Zur Tagesschau zu Hause?

Workshop zum Nahverkehrsplan 2006 bis 2011 / Weis: Finanzierung von Tram-Neukauf ungeklärt

"Bilanz, Kritik, Ausblick" – unter diesem Motto hätte der öffentliche Workshop zum Nahverkehrsplan der Stadt Potsdam am Dienstagabend in einem Raum der Stadtverwaltung stehen können.

Bilanz zog Detlef Pfefferkorn, Verkehrsplaner in der Stadtverwaltung: In der Zeit zwischen 2001 und 2006 seien die "Nutzleistungskilometer" der beiden Verkehrsanbieter in der Stadt, dem Potsdamer Verkehrsbetrieb VIP und Havelbus, um acht Prozent gestiegen – weil die neuen Ortsteile hinzukamen. Im Gegensatz dazu ging laut Pfefferkorn die Subventionen der öffentlichen Hand für diese Verkehrsunternehmen auf 84 Prozent zurück. "Zum Glück gibt es den Querverbund in den Stadtwerken", bekannte Pfefferkorn – die Quersubventionierung des ViP innerhalb der Stadtwerke.

Weiterhin konstatierte Pfefferkorn, dass die Sanierung des Potsdamer Tramnetzes bis auf die Umgestaltung des Bahnhofes Rehbrücke abgeschlossen sei. Da die Medienstadttrasse nicht förderfähig ist, sei auch eine Erweiterung des Tramnetzes im kommenden Nahverkehrsplan-Zeitraum bis 2011 nicht zu erwarten. Zur Bilanz trug ViP-Chef Martin Weis bei: Demnach seien 2006 die Fahrgastzahlen des ViP um 10,4 Prozent gestiegen.

Als Ausblick für die Nahverkehrsentwicklung prognostizierte Pfefferkorn weiter steigende Fahrgastzahlen: Der Marktanteil des Öffentlichen Personen Nahverkehrs (ÖPNV) werde im Verhältnis zum Motorisierten Individualverkehr (MIV) von 63 Prozent auf 67 Prozent steigen. Grund hierfür seien neben zunehmendem Umsteigen vom teuren Auto auf den ÖPNV die steigende Einwohnerzahl Potsdams, was auch zur steigenden ÖPNV-Kundenzahl beitrage: 130 000 Einwohner hatte Potsdam im Jahr 2001. 146 000 Einwohner waren es bereits 2006. Für 2010 werden 153 000 Einwohner prognostiziert.

Zu den wünschenswerten Angebotszielen zählte Pfefferkorn einen zweigleisigen Ausbau zwischen Wannsee und dem Potsdamer Hauptbahnhof – "zur Taktstabilisierung und Reisezeitverkürzung". Ebenso sei eine "schnelle attraktive Verbindung auf der Schiene" zum künftigen Großflughafen Schönefeld nötig. Auch sollte das Fahrplanangebot zwischen Golm und Griebnitzsee verstärkt werden. Zum Ankauf neuer Niederflurstraßenbahnen gebe es Finanzplan der Stadt, worin zwischen 2008 und 2011 jährlich 8,8 Millionen Euro dafür vorgesehen sind. Weis zufolge stünden diese Pläne aber unter Haushaltsvorbehalt. Erst wenn die Finanzierung geklärt sei, würde der Kauf neuer Straßenbahnen ausgeschrieben. Es werde "keine Ausschreibung ins Blaue hinein" geben.

Kritik wurde an diesem Abend auch geübt, von Seiten der ÖPNV-Nutzer. So sagte die Potsdamerin Renate Simons, der Voltaireweg und die Schlegelstraße stellten am Abend ein "Bermudadreieck" dar, zu dem man mit dem ÖPNV nicht mehr hingelange. Offenbar werde erwartet, dass die Bewohner "zur Tagesschauzeit" zu Hause zu sein haben. Wolle man das ehemalige Kasernen-Areal und heutige Wohnprojekt "Parc du Bois" erfolgreich vermarkten, müssten die Anwohner abends zum Hans Otto Theater kommen – und wieder zurück. "Ich sehe einen Haufen Nachfragepotential, dass sie verschlafen", so Renate Simons. Pfefferkorn konnte mit der Ankündigung kontern, ab dem 10. Juni starte das Fahrplanangebot "nachts", mit dem sich die Nacht-Angebote verbesserten.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten