Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 21.07.2007

Unfallhergang weiter umstritten

Staatsanwaltschaft: Verdacht der fahrlässigen Tötung "nicht ungewöhnlich"

Bornstedter Feld – Eine Woche nach dem Tod von Marc-Philipp G. gibt es ein neues wichtiges Detail: So scheint es aus Sicht von Ermittlern sicher, dass sich der 17-Jährige im hinteren Teil des ersten Wagens befand, bevor er unter das Drehkreuz des zweiten Wagens geriet. Der Potsdamer Jugendliche war in der Nacht zum vergangenen Samstag von einer Tatra-Straßenbahn überrollt worden. Die neue Erkenntnis passt zu den Aussagen von Freunden des Opfers, wonach die Bahn mit offenen Türen und ohne Klingelzeichen losfuhr. Dabei soll der Junge so unglücklich abgerutscht sein, dass er unter den zweiten Wagen geriet. Auch diese Schilderungen halten Ermittler nach PNN-Informationen für möglich: "Es geht in diese Richtung".

Dagegen sprechen Aussagen des Potsdamer Verkehrsbetriebes (ViP). Danach gibt es in Tatra-Bahnen eine so genannte "Grünschleife": Dieser Stromkreis sei nur dann geschlossen, wenn alle Türen geschlossen seien, so ViP-Sprecher Stefan Klotz. Sei die Tür offen, würde auch in der Grünschleife kein Strom fließen – und die Bahn stoppe. Jedoch könne der Fahrer das System selbst abschalten, in dem er eine Verplombung öffne. "Soweit wir wissen ist dies allerdings nicht geschehen." Um Klarheit darüber zu bekommen, würde derzeit ein Kurzweg-Registriergerät, eine Art Fahrtenschreiber, von der Potsdamer Staatsanwaltschaft untersucht.

In der Untersuchungsbehörde wurde gestern bestätigt, dass bereits von Anfang an gegen den Fahrer der Unglücksbahn wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt werde. Dies sei aber "nicht ungewöhnlich" und zeige "keine neue Qualität" der bisherigen Erkenntnisse, so Wilfried Lehmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er relativierte damit Medienberichte und warnte vor Vorverurteilung des Fahrers. Gegen ihn werde von Amts wegen ein Verdacht erhoben, so Lehmann: "Dies liegt in der Natur der Sache: Jeder Mensch, der in seinem Beruf eine Verantwortung für andere Personen hat, wird automatisch in Verdacht geraten, wenn etwas schief geht." Dies sei bei Autounfällen genauso – bis alle Beweise gesammelt und bewertet worden seien.

In der kommenden Woche sollen neue Erkenntnisse vorliegen. Dann sollen die Obduktionsergebnisse des Leichnams von Marc-Philipp vorliegen. Noch rund einen Monat wird ein Gutachten der Dekra dauern, das prüft, ob technische Mängel an der Unfallbahn für das Unglück mit verantwortlich waren. Auch der Fahrer selbst ist noch nicht befragt worden.

Zumindest ein Vorwurf gegen den ViP ist allerdings aus der Welt. Eine Kondolenzkarte für die Familie des Getöteten ist inzwischen angekommen: Nach PNN-Informationen hat ein Zahlendreher in der Adresse die Zustellung verzögert. HK

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten