Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 14.08.2007

Schwarzfahrer trotz Fahrschein ViP-Aushänge fehlerhaft:

PNN-Leser wehrt sich

An diese Tramfahrt sollte er noch lange denken. In den Morgenstunden des 2. August steigt Jürgen Raatz am Johannes-Kepler-Platz in die Tram Richtung Kirchsteigfeld. Anders als sonst ist der 51-Jährige in Begleitung: Blacky, der Border-Collie seiner Mutter, fährt mit ihm. Denn die 83-jährige Frau muss an diesem Tag zu einem Arzttermin und kann sich um ihren tauben Hund nicht kümmern. An den Aushängen des Verkehrsbetriebs Potsdam GmbH (ViP) hatte Raatz sich vorher informiert, was er für das Tier bezahlen muss. "Kinder bis 5 Jahre, Kinderwagen, Gepäck und ein Hund können unentgeltlich mitgenommen werden", stand dort – genau wie über den Fahrkartenautomaten in der Tram. Also steigt er mit einem Einzelfahrausweis in die Bahn.

Dass er dem Aushang vertraut hat, wird ihm zwischen Hans-Albers- und Robert-Baberske-Straße allerdings zum Verhängnis: Denn der Invalidenrentner gerät in eine Fahrkartenkontrolle und soll Strafe zahlen, weil er für den Hund keinen Fahrschein hat. Die unentgeltliche Hundemitnahme gelte nur für Gruppen- und Zeitkarten, wird er belehrt: "Man nahm meine Personalien auf und drückte mir einen Überweisungsschein in die Hand", erzählt er den PNN. Eine Summe steht auf dem Überweisungsträger nicht.

Aber die Höhe des "erhöhten Beförderungsentgelts" erweist sich auch als verhandelbar. Am Tag nach dem Vorfall meldet sich der unwissentliche Schwarzfahrer persönlich beim ViP. Dort verspricht man einen telefonischen Rückruf. Eine Woche später hat Raatz dann den VIP in der Leitung. Und soll weiterhin zahlen: "Die zuständige Dame sagte mir, das stünde in den Tarifbestimmungen, ich hätte mich vorher informieren müssen", berichtet der Potsdamer. Die ViP-Mitarbeiterin habe ihm jedoch angeboten, die Strafe auf sieben Euro zu reduzieren. Damit gibt Raatz sich nicht zufrieden: "Woher soll ich wissen, dass in den Tarifbestimmungen etwas anderes steht?" Als er der ViP-Mitarbeiterin sagt, dass er sich an die Presse wenden werde, geht die Strafsumme wieder nach oben: "Wenn Sie das machen, müssen sie 40 Euro zahlen", zitiert Raatz die Antwort. "Was soll das?", fragt der Invalidenrentner aufgebracht: "Das ist Nötigung!"

Tatsächlich hat sich in den Tarifaushängen "ein inhaltlicher Fehler eingeschlichen", räumt ViP-Sprecherin Karin Sadowski gestern auf PNN-Anfrage ein. Die Tarifbestimmungen sind "für den Fahrgast nicht erkennbar", so Sadowski: "Die Hundemitnahme ist nur für Nutzer von Tageskarten, Kleingruppenkarten, Gruppentageskarten für Schüler, Inhaber von Zeitkarten sowie Inhaber von Schwerbehindertenausweisen unentgeltlich", stellt sie klar.

Die Aushänge sollen ab sofort korrigiert werden: "Mit den betreffenden Mitarbeitern wird natürlich auch über das richtige Verhalten in ähnlichen Situationen gesprochen", verspricht Sadowski. Das "erhöhte Beförderungsentgelt" für Raatz ist aus der Welt: Als Entschuldigung will ihm der ViP eine Wochenkarte für den Tarifbereich Potsdam AB zukommen lassen. Damit kann im Zweifelsfall auch Blacky mitfahren. Jana Haase

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten