Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 04.09.2007

Schulstunde in der Straßenbahn

Appell an Eltern, Vorbild im Verkehr zu sein

Straßenbahnfahren will gelernt sein. Das gilt nicht nur für Frank Müller in der Fahrerkabine, sondern auch für die Passagiere. "Vielen Dank Herr Müller", brüllten die Erstklässler der Bruno-H.-Bürgel-Schule im Chor, als sie sich gestern von ihrem Fahrer verabschiedeten, der sie von Babelsberg zum Bahnhof Pirschheide und zurück gefahren hatte. Die Kinder hatten gerade eine Schulstunde der besonderen Art erlebt.

Verkehrsbetrieb (ViP), Verkehrswacht Potsdam und Polizei hatten die Fahrt mit zwei 1. Klassen organisiert, damit die Kinder das richtige Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln und an Haltestellen lernen. Polizistin Cathrin Lebedeff, die in voller Uniform und mit umgeschnallter Pistole für die Kinder da war, appellierte an die Eltern, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ihre Kollegin Karin Boden habe nämlich gerade heute gesehen, dass manche Eltern die ABC-Schützen mit dem Auto zur Schule bringen und sie in der Karl-Liebknecht-Straße an gefährlichen Stellen aussteigen lassen. "Lieber den Kindern einen kleinen Umweg zumuten als sie in Gefahr bringen", rät die Polizeiobermeisterin, die im Sachgebiet Prävention tätig ist.

"Was ist, wenn mir in der Straßenbahn schlecht wird?" Zur Beantwortung dieser Frage verweist Verkehrsbetrieb-Mitarbeiterin Hannelore Wandtke auf den "roten Kasten" über der Tür. "Die Notbremse", weiß ein kleiner Passagier. Nur in äußersten Notfällen dürfe diese gezogen werden. Und: "Der Missbrauch ist strafbar." Gebannt folgen die Kleinen den Erklärungen, verstehen in der ruckelnden und zuckelnden Bahn sofort das Symbol mit den zwei Händen und der Stange: Wer sich nicht festhält, droht zu stürzen. Vergeblich versuchen die Passagiere durch die vollständig zerkratzen Scheiben des alten Tatrazuges nach draußen zu blicken. "500 Euro kostet eine neue Scheibe", macht Wandtke den Schaden klar, der durch das Zerkratzen entsteht. Vielleicht bleibt in den Kinderköpfen bis zum "kratzfähigen Alter" etwas haften. Dann beruhigt die ViP Mitarbeiterin die Ängstlichen: "Ihr müsst keine Angst haben, in der Tür eingeklemmt zu werden", sagt sie. Lichtschranken verhinderten das Zuklappen der Türen, wenn auch nur ein kleiner Finger dazwischen steckt. Und wenn dem Tramlenker schlecht wird, stoppt die Bahn innerhalb von sechs Sekunden automatisch.

Auf dem Freigelände der Verkehrswacht am Bahnhof Pirschheide war eigentlich ein Fahrradparcours vorgesehen. Doch wegen des Regens gab es im Saal ein Ersatz-Programm: Trickfilme über den Fahrradhelm und die Sicherheit auf dem Schulweg, Bedeutung von Verkehrszeichen. "Die Kinder kennen die Zeichen besser als manche Erwachsene", so die Polizeiobermeisterin anerkennend.

Die Lehrerinnen der Klassen 1b und 1c der Bürgel-Schule, Silke Grabow und Sieglinde Schol, äußerten sich jedenfalls begeistert über die mobile Unterrichtsstunde: "Die Kinder sind sehr aufnahmefähig in diesem Alter und vieles merken sie sich fürs ganze Leben." Günter Schenke

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten