Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 20.11.2007

ViP-Chef Weis plant "Rufbus" für Rollis

Beginn nächste Woche Finanzierung unklar

Potsdams Rollstuhlfahrer können aufatmen: Martin Weis, Geschäftsführer der Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH (ViP), kündigte gestern an, "Rufbusse" einzurichten. Die Busse könnten bereits in der kommenden Woche unterwegs sein, sagte Weis in einer Gesprächsrunde mit Rollstuhlfahrern am Berufsbildungswerk im Oberlinhaus gGmbH (BBW), die für die RBB-Sendung "Die Jury hilft" aufgezeichnet wurde.

Hintergrund ist die seit Herbst durchgesetzte Praxis des ViP, nur noch einen Rollstuhl oder Kinderwagen pro Bus mitzunehmen: Denn die Busse sind nur mit einem Rollstuhlplatz ausgerüstet, der der EU-Sicherheitsrichtlinie entspricht. Die Betroffenen kritisieren diese Praxis, die für sie zum Teil erhebliche Wartezeiten mit sich bringt (PNN berichteten).

Dem soll nun mit "Rufbussen" abgeholfen werden: "Sie rufen, wir kommen", erklärte der ViP-Geschäftsführer gestern das Konzept. Unklar ist bislang allerdings, wer dafür bezahlen soll – und in welchem Umfang der Service angeboten wird. Dazu werde es in den kommenden Tagen Gespräche mit der Stadt geben, sagte Weis. Für ihn ist "die Landeshauptstadt in der Verantwortung, dieses Problem zu lösen." Das sieht Helmut Erker, der Behindertenbeauftragte der Stadt, anders: "Die Busunternehmen sind nach dem ÖPNV-Gesetz verpflichtet, die Leute mitzunehmen", sagte Erker den PNN. Er werde heute im Sozialausschuss über die Sachlage berichten.

Der Behindertenbeauftragte plädierte gestern erneut für die Mitnahme von zwei Rollis pro Bus – wie es auch die Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH Potsdam im Großteil ihrer Fahrzeuge praktiziert. Sicherheit habe "oberste Priorität", hielt Weis dagegen: Man werde keine Abstriche machen und "keine Grauzone ausnutzen", stellte er klar. Langfristig überprüfe der ViP auch eine Anpassung der Busse auf zwei Rolli-Plätze, erklärte Weis: Die nächste Bus-Lieferung stehe allerdings erst im Mai 2008 an.

Für Rollstuhlfahrerin Anne Priemer sind "Rufbusse" allerdings "nicht das Nonplusultra": Denn damit werde eine genaue Zeitplanung nicht möglich. Die erforderliche Organisation verhindere zudem spontane Fahrten, kritisierte die 22-jährige angehende Kauffrau im Gesundheitswesen.

Nach Angaben des Behindertenbeauftragten leben 1546 "außergewöhnlich gehbehinderte" Menschen in Potsdam – der größte Teil von ihnen sitzt im Rollstuhl. Weitere 7320 Potsdamer gelten als "gehbehindert" und können vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen sein. Jana Haase

Die RBB-Sendung zum Thema wird am Samstag, dem 24. November, um 18.30 Uhr ausgestrahlt.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten