Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 19.04.2008

Tram-Tür ungesichert

Anklage im Fall des Straßenbahnunfalls präzisiert

Im Fall des tödlichen Straßenbahnunfalls vor rund neun Monaten sind gestern erste Details der Anklage gegen den Straßenbahnfahrer bekannt geworden. Dem 47-Jährigen wirft die Potsdamer Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vor: Er hätte sich bei dem Unglück im vergangenen Juli versichern müssen, dass sich niemand mehr an den Straßenbahntüren befindet und diese geschlossen sind, sagte gestern Wolfgang Peters, Sprecher des Potsdamer Amtsgerichts. Nach einem Volksfest wollte der 17-jährige Marc-Philipp G. mit Freunden nach Hause fahren. Zu dem Zeitpunkt hatte er 1,77 Promille. Laut Unfallzeugen war er aus der fahrenden Tram gefallen und unter ihren zweiten Wagen geraten. Er verstarb noch an der Unfallstelle (PNN berichteten).

Die Anklage sieht die Schuld beim Fahrer: Er hätten in den Rückspiegel sehen müssen. Zudem war laut Gerichtssprecher Peters die Sicherheitsautomatik an der hinteren Tür des ersten Wagens ausgeschaltet, weshalb die Tatra-Bahn trotz offenen Tür losfahren konnte. "Der Schalter für die Automatik stand laut Staatsanwaltschaft auf ’1’, hätte aber auf ’0’ stehen müssen", sagte Peters. In Tatra-Bahnen finden sich solche Schalter rechts vom Fahrer am Pult vor ihm. Sie sind mit Plomben gesichert.

Kurz nach dem Unfall waren allerdings wie berichtet die Plomben an den Sicherheitsschaltern der Potsdamer Straßenbahnen erneuert worden. Warum dies geschah und ob dies mit Erkenntnissen aus den Ermittlungen zusammen hängen könnte, hatte Martin Weis als Geschäftsführer der Potsdamer Verkehrsbetriebe (ViP) damals nicht kommentieren wollen. Auch gestern vermied der ViP unter Hinweis auf das "schwebende Verfahren" eine Stellungnahme.

Unterdessen kündigte Karsten Beckmann als der Anwalt des Straßenbahnfahrers an, dass sein Mandant und er prüfen würden, ob vor dem Amtsgericht eine Erklärung abgeben werde – um möglicherweise einen Prozess doch noch zu verhindern. Das Gericht prüft derzeit, ob die Anklage zugelassen wird. Fahrlässige Tötung kann mit Geldstrafen oder bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden – Gefängnisstrafen gelten aber selbst bei Fällen mit Todesfolge als selten. H. Kramer

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten