Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 17.05.2008

Ausschreibung für neue Trams verlängert

Alstom signalisiert Gesprächsbereitschaft

In Reaktion auf den Rückzug der beiden Tramhersteller Alstom und Bombardier von der Potsdamer Ausschreibung zum Kauf neuer Straßenbahnen hat der Potsdamer Verkehrsbetrieb ViP die Ausschreibungsfrist um eine Woche verlängert. Statt kommenden Montag haben die Tramhersteller nun bis Montag, den 26. Mai, Zeit, Angebote abzugeben, wie ViP-Geschäftsführer Martin Weis gestern informierte. Dem Vernehmen nach gibt es im Hintergrund Verhandlungen darüber, wie Alstom seine für Magdeburg gebaute Bahn doch noch für Potsdam anbieten kann. Weis zufolge sei Alstom mit technischen Fragen an ihn herangetreten. Alstom-Sprecher Immo von Fallois erklärte dazu: "Wir stehen zu Potsdam und sind jederzeit gesprächsbereit".

Liegen zum Stichtag 26. Mai keine Angebote von Alstom und Bombardier vor, dann wird der ViP nach Angaben des ViP-Chefs vom Donnerstag aus den Offerten zweier polnischer Hersteller sowie der Firmen Skoda, Stadler und Siemens auswählen müssen. Für ein Abbrechen der Ausschreibung gibt es laut Weis hohe Hürden. "Wenn die Kriterien erfüllt sind, dann werden wir auch zuschlagen müssen", sagte der ViP-Chef.

Indes sind Hintergründe des Rückzugs des weltgrößten Schienenfahrzeugherstellers Bombardier von der Potsdamer Ausschreibung bekannt geworden. Bombardier begründet seinen Rückzug damit, dass die Möglichkeit, 2,40 Meter breite Bahnen zu verwenden, die Bombardier auch an Berlin verkauft, in Potsdam "nicht genutzt" werden soll. Derzeit sind in Potsdam 2,30 Meter breite Fahrzeuge im Einsatz. Laut ViP-Chef Weis würde der Umbau der Schienen-Infrastruktur für die Verwendung 2,40 Meter breiter Bahnen 41 Millionen Euro kosten. Wie ViP-Aufsichtsratsmitglied Peter Schüler (Bündnisgrüne) gestern erklärte, müsste der Hersteller die Kosten für die Veränderung des Bahnnetzes tragen. Schüler vermutet, dass es dem Hersteller daher nicht möglich ist, "unter wirtschaftlichen Bedingungen zu bieten". Weis sagte dazu, Bombardier müsse nicht die 2,40-Meter-Bahn anbieten, die Firma hätte auch gute 2,30-Meter-Trams "im Köcher". So habe Bombardier gerade eine 2,30 Meter breite Tram nach Dresden verkauft, die "Flexity Classic".

Bombardier begründete seinen Rückzug ferner mit einem im April vergebenen Auftrag an den Wettbewerber Siemens zur Ertüchtigung des bislang ungenutzten Combino-Prototyps 400. Diesen Auftrag erst nach Ende der Ausschreibung zu vergeben, sei Weis zufolge "technisch nicht machbar gewesen". Es habe eine mehrstündige Aufsichtsratssitzung zu diesem Thema gegeben. Weis bestätigte, dass Siemens mit den Worten Peter Schülers für die Sanierung des Prototyps ein Angebot "mit schwer abzulehnenden Konditionen gemacht" habe. Schüler: "Der Prototyp steht sich die Räder in den Wanst. Diese Bahn könnte fahren." Dass diese Auftragsvergabe Auswirkungen auf das Auswahlverfahren haben könnte, glaubt Schüler nicht. Die Vergabekommission werde aus den Angeboten gemäß Bewertungsmatrix die beste Bahn auswählen. Dass Siemens mit dem Combino schon einmal Bahnen an Potsdam verkauft hat, wird dabei laut Schüler "keine Rolle spielen". Guido Berg

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten