Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 05.12.2008

Busse aus einer Hand

Studie: Nahverkehrsunternehmen der Region vereinen / Ablehnung in Brandenburg an der Havel

Das Busnetz in der Region könnte übersichtlicher werden – und Potsdam ab 2009 innerhalb von sieben Jahren 40 Millionen Euro sparen. Dieser Spareffekt wäre möglich, falls Potsdamer künftig nur noch eines statt vier Unternehmen auswählen müssten, wenn sie nach Beelitz oder Brandenburg an der Havel mit dem Bus fahren wollen. Einen solchen gemeinsamen Verkehrsanbieter für Potsdam, Brandenburg, Mittelmark und das Havelland schlägt eine noch unveröffentlichte Studie vor, die Wirtschaftsprüfer im Auftrag des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) erstellt haben.

Gestern berichteten Medien über den 130-seitigen Bericht, der auch den Potsdamer Verkehrsbetrieb (ViP) in seiner jetzigen Form in Frage stellt. So schlagen die Prüfer fünf Varianten vor, wie die Nahverkehrsbetriebe zusammenarbeiten könnten. "Wir werden die Studienergebnisse ab Januar prüfen", sagte gestern Potsdams Finanzbeigeordneter Burkhard Exner (SPD), der auch Aufsichtsratsvorsitzender des Potsdamer Verkehrbetriebes ist.

Für den Stadtkämmerer dürfte der von der Studie angekündigte Spareffekt äußerst interessant sein. Derzeit subventionieren Stadtwerke und Landeshauptstadt den ViP. 2007 meldete das kommunale Unternehmen mit 27,1 Millionen Nutzern einen Verlust von 15,5 Millionen Euro – ein riesiges Zuschussgeschäft. "Dieses Jahr sieht es etwas besser aus", sagte Exner den PNN. Er verwies auch auf "Trends am Strommarkt", die den Stadtwerke-Zuschuss für den ViP schmälern könnten. So müsse sich auf der Kostenseite beim ViP "etwas ändern", wenn die angebotene Leistung gleich bleiben solle. Wenn beim Nahverkehr mehr zusammengearbeitet werde, könnten die Kosten sinken. In der Studie werden gemeinsame Betriebshöfe, Werkstätten, Busflotten und Verwaltungen als Möglichkeiten angegeben, offenbar zu teure Doppelstrukturen aufzulösen. "In der Branche gelten Verkehrsunternehmen mit weniger als 200 Bussen als nicht wirtschaftlich", sagte Exner – keiner der vier Verkehrsbetriebe der Region besitze diese Größe.

Die Studienergebnisse haben gestern für Diskussionen in der Politik gesorgt. Ablehnung kam aus Brandenburg an der Havel. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) sagte, sie stehe "einem gemeinsamen Tochterunternehmen eher skeptisch gegenüber." Die möglichen finanziellen Effekte seien nur "unkonkret oder pauschal" dargestellt. Allerdings habe sie nichts gegen mehr Kooperation an sich. Zugleich zeigte sie sich irritiert, dass das "noch nicht abgestimmte Papier" vorzeitig an die Öffentlichkeit gelangt sei. Zustimmend äußerte sich Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD): "Das ist der richtige Weg." Das fusionierte Unternehmen könne effektiver arbeiten. Linken-Landtagsabgeordnete Anita Tack sagte, die Fusion sei einer etwaigen Privatisierung vorzuziehen. Finanzbeigeordneter Exner sprach von einem "langen Prozess", der nun folge: "Wir werden dabei auf sozial verträgliche Lösungen achten." Henri Kramer

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten