Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 04.04.2011

Martin Weis scheidet als ViP-Chef aus

Vertrag des Verkehrsbetriebs-Chefs endet zum Jahresende / Aufsichtsrat verweigert Verlängerung

Von Guido Berg

Martin Weis ist nur noch bis Jahresende Geschäftsführer des Potsdamer Verkehrsbetriebes ViP. Darauf haben sich ViP-Aufsichtsratschef Burkhard Exner (SPD), Stadtwerke-Chef Peter Paffhausen und Weis gestern geeinigt, teilte Exner am gestrigen Abend auf PNN-Anfrage mit. Ausgangspunkt dessen war eine Niederlage für Exner und Weis im Aufsichtsrat am gestrigen Vormittag. Exner, auch Finanzbeigeordneter und Potsdamer Bürgermeister, hatte einen Antrag in den Aufsichtsrat des ViP eingebracht, der eine Verlängerung des bis zum 31. Dezember 2011 befristeten Anstellungsvertrages für Weis vorsah. Mit drei zu vier Stimmen wurde dieser Antrag jedoch abgelehnt. Ein Gegenantrag, wonach der Vertrag nicht zu verlängern ist, wurde dagegen mit knapper Mehrheit angenommen.
Weis ist seit 2004 Geschäftsführer des Potsdamer Verkehrsbetriebes. Er ist Nachfolger von Georg Dukiewicz. Exner würdigte gegenüber den PNN die "herausragende Leistung" von Weis. Er gehe davon aus, dass Weis seine Geschäftsführertätigkeit bis Jahresende auch ausüben wird. Parallel werde die Geschäftsführerstelle des ViP neu ausgeschrieben; gegebenenfalls werde "eine Personalberatung mit ins Boot geholt". Weis selbst war nur gestern Mittag zu erreichen, da erklärte er lediglich, noch keinen Aufhebungsvertrag unterschrieben zu haben. Weis: "Mein Vertrag läuft noch ziemlich lange."
Nach PNN-Informationen ist die nunmehr kritische Haltung des Aufsichtsrates gegenüber Weis auf eine veränderte Zusammensetzung des Gremiums zurückzuführen. Peter Schüler (Bündnisgrüne) und Wolfgang Cornelius (Potsdamer Demokraten, vormals CDU) gehören dem Aufsichtsrat seit März diesen Jahres nicht mehr an. Cornelius war noch "von meiner Fraktion zurückgezogen worden", wie er den PNN gestern sagte. Hinsichtlich der Abberufung von Weis erklärte Cornelius: "Ich hätte dagegen gestimmt." Für ihn sei die Entscheidung "unverständlich". Schülers Rückzug aus dem Aufsichtsrat steht dem Vernehmen nach in Zusammenhang mit einem "Agreement" bei der Gründung der Rathaus-Kooperation. Wie es heißt, seien die Bündnisgrünen mit einem Beigeordneten – Baubeigeordneter Matthias Klipp – und mit dem Amt des Stadtverordnetenpräsidenten, das Schüler innehat, hinreichend gut bedacht.
Zu den Gründen für die Antihaltung gegen Weis wurden gestern "fünf Themenschwerpunkte" genannt. Weis fehle "soziale Kompetenz", hieß es. Die Zustimmung der ViP-Belegschaft zu ihrem Geschäftsführer sei "hundertprozentig auf dem Nullpunkt". Dazu erklärte Exner den PNN, Weis’ Führungsstil sei "direkt und klar" gewesen, vielleicht seien einige Mitarbeiter damit nicht einverstanden.
Ferner hieß es, Weis habe den Verkehrsbetrieb "zu Tode gespart"; er habe den Betrieb "offenen Auges in die Katastrophe geführt". Gegen solche Einschätzungen wehrte sich Exner: "Diese Behauptungen stimmen definitiv nicht". Hinsichtlich des Vorhaltens von Reserven etwa von Ersatzfahrzeugen und -teilen würden der ViP Gutachter-Empfehlungen "mehr als genügen". Das Potsdamer Verkehrsunternehmen sei "ein Vorzeigebetrieb im Öffentlichen Personen-Nahverkehr", betonte der ViP-Aufsichtsratsvorsitzende.
Ruchbar wurde die Personalentscheidung gestern, nachdem eine für den späten Vormittag geplante Pressefahrt zum Stadler-Werk nach Velten kurzfristig abgesagt wurde. Stadler baut Potsdams neue Straßenbahnen. Daran werde der Weggang von Weis laut Exner nichts ändern: "Die Bahnen kommen trotzdem."

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten