Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 17.11.2005

Freie Fahrt zur Fusion

Verkehrsunternehmen wollen mehr als kooperieren

Das Gutachten eines Wirtschaftsprüfers unter Aufsicht des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg soll die künftigen Gestaltungsmöglichkeiten für einen gemeinsamen Verkehrsbetrieb der kreisfreien Städte Potsdam und Brandenburg sowie der Landkreise Potsdam- Mittelmark und Havelland aufzeigen. Ob es eine Holding, eine Kooperation oder ein gänzlich neuer Betrieb werde, ist laut Lothar Koch unklar und werde wohl erst mit den Ergebnissen im Herbst 2006 erörtert werden können. Der Landrat aus der Mittelmark erklärte, um das Ziel Fusion überhaupt zu erreichen, "seien sehr unterschiedliche Ausgangssituationen zu überwinden".

Vor allem die unterschiedlichen Verkehrsmittel und deren Kosten sowie die Tarifverträge der Mitarbeiter seien dabei Thema. Der Potsdamer ViP bezahlt seine ab Januar nur noch 356 Mitarbeiter (bislang 456) beispielsweise nach kommunalen BAT-Tarifstrukturen, andere Unternehmen wie Havelbus bezahlen den etwa 20 Prozent günstigeren Spartentarif Verkehr.

Grund für die Überlegungen sind anstehende EU-Richtlinien, die der privaten Konkurrenz im Öffentlichen Nahverkehr weitere Türen öffnen. Daher wollen sich die kommunalen Verkehrsunternehmen darauf vorbereiten, bei künftigen Ausschreibungen in den Städten und Landkreisen wettbewerbsfähig zu sein. Die Fusion soll neben Verkehrsverbesserungen für 500 000 Menschen in den Gebieten der drei Unternehmen auch Einsparpotenziale erzielen. Parallelverkehre könnten vermieden sowie Personal- und Sachkosten optimiert werden. Jedoch stehe laut Oberbürgermeister Jann Jakobs nicht zur Debatte, ob es weiterhin eine Straßenbahn geben soll oder nicht. Dazu gebe es klare politische Bekenntnisse, in der Landeshauptstadt Potsdam wie auch in Brandenburg. Für Landrat Burkhard Schröder (Havelland) steht jedoch fest, dass bei einem gemeinsamen Unternehmen jeder Gesellschafter seine eingebrachten Verkehrsmittel und deren Betrieb finanzieren muss: "Wir bezahlen die Straßenbahnen nicht", sagte Schröder.

Das Verkehrsunternehmen von Koch und Schröder, die Havelbus Verkehrsgesellschaft mit 511 Mitarbeitern und 19 Millionen Fahrgästen jährlich, gilt bei den Verfahrensbeteiligten als am besten aufgestellt. Die Verwaltung wurde bereits verschlankt, vom BAT-Tarif wurde abgerückt. Dennoch erhoffen sich beide weitere Einsparungen durch Kooperationen oder eine Fusion. Auch für das Potsdamer Unternehmen ViP sollen laut Jann Jakobs weitere Sparpotenziale erreicht werden, ohne den Service und den Betrieb einzuschränken. Die eigenen Optimierungen seien ausgeschöpft, "wir müssen nach neuen Wegen suchen". Die Stadt bezuschusst den ViP mit derzeit fünf Millionen Euro jährlich, Tendenz fallend. Ebenso die Zuschüsse Brandenburgs an sein Verkehrsunternehmen: "Wir senken von sechs Millionen auf vier Millionen Euro jährlich bis 2009", sagte Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann. Die Mitarbeiterzahl soll um 51 sinken, ab Januar gelte ein neuer Tarifvertrag, der kürzere Arbeitszeiten vorsieht. Dafür gebe es eine Beschäftigungsgarantie. jab

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten