Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 13.08.2011

Historische Tram von 1907 soll am 17. September erstmals wieder rollen

Edle Bemalung an der Decke, Prägetapeten an den Wänden, gewebte Stoffbezüge mit aufgesticktem Stadtwappen gegen die Kälte im Winter: Schon zu Kaisers Zeiten fuhr man in Potsdam nicht nur einfach Straßenbahn, man reiste – und zwar in angemessener Umgebung. Wie sich das anfühlt, können die Potsdamer am 17. September beim Tag der offenen Tür beim Verkehrsbetrieb (ViP) wieder nachvollziehen. An diesem Tag soll eine frisch rekonstruierte Tram aus dem Jahre 1907 erstmals öffentlich ihre Runden drehen.

Sechs Jahre hat es den Verein Historische Straßenbahn Potsdam e.V. gekostet, sein Ziel zu erreichen – aus dem letzten erhaltenen Original-Fahrgestell wieder eine exakte Nachbildung des ersten Straßenbahntyps zu machen, der elektrisch durch die Straßen rollte. Vorher hatte es nur Pferdebahnen gegeben. 22 dieser "Ur-Trams" hatte die Ammendorfer Waggonfabrik Gottfried Lindner 1907 nach Potsdam geliefert und ein Jahr später noch einmal sieben für die Erweiterung des Schienennetzes nach Babelsberg. Der letzte dieser Triebwagen transportierte noch bis 1968 Fahrgäste in Potsdam – allerdings war der Waggonaufbau inzwischen geschlossen und aus Metall, nicht mehr aus Holz wie das Original.

Leider, bedauerte Vereinschef Ivo Köhler, seien zu Beginn der 70er Jahre alle Originalteile "weggeschmissen" worden. Nur das eine Fahrgestell überlebte und wurde als Untersatz für eine Güterlore bis 2005 sogar noch genutzt. Dank einer 80 000-Euro-Zuwendung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnte die Rekonstruktion der Tram beginnen, hinzu kamen Spenden von Privatleuten und Firmen wie Daimler, Shell und auch den städtischen Unternehmen.

Für den Wiederaufbau trat das Fahrgestell eine lange Reise an – über Leipzig und das österreichische Mariazell landete der Wagen schließlich im rumänischen Iasi, wo der Innenausbau erfolgte. Dort gebe es besonders gute Spezialisten für die historischen Holztechniken, so Köhler. Seit Ende April wird in Potsdam an der Feinjustierung gefeilt. Wenn der Probelauf am 17. September im ViP-Depot erfolgreich ist, soll die Tram ab Frühjahr 2012 zu Präsentationsfahrten durch die Stadt rollen – man soll sie auch mieten können. Der Preis steht aber noch nicht fest. 30 000 Euro fehlen dem Verein noch für die Komplettierung der Einrichtung – etwa für die mondänen Sitzbezüge mit Potsdam-Wappen. pee

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten