Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 17.01.2012

Vision 2025: Potsdamer fahren mit Tram und Rad

Verkehrskonzept

von Guido Berg und Peer Straube

Neues Verkehrskonzept für die Landeshauptstadt: Der Bau- und Verkehrsbeigeordnete Matthias Klipp kippt Tempo 30 auf Hauptstraßen. Die Straßenbahntrassen sollen ausgebaut werden.

Potsdam - Potsdam will dem drohenden Verkehrskollaps in der Landeshauptstadt nicht mit Verboten oder Reglementierungen entgehen. Die noch 2009 vom Bau- und Verkehrsbeigeordneten Matthias Klipp (Bündnisgrüne) angekündigte Ausweitung von Tempo-30-Abschnitten auf Hauptverkehrsstrecken ist vom Tisch. Auch wird Potsdam im Gegensatz zu Berlin keine Umweltzone einrichten. Dem gestern von Klipp vorgelegten Stadtentwicklungskonzept Verkehr zufolge versucht die Verwaltung vielmehr, dem zunehmenden Verkehr im boomenden Potsdam durch eine konsequente Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs, des Radverkehrs und der Fußgänger Herr zu werden. "Wir haben absoluten Handlungsbedarf", erklärte der Beigeordnete, alle Ressourcen der Stadt müssten darauf gerichtet sein, den Verkehrsinfarkt zu vermeiden.

Zielhorizont des lang erwarteten Verkehrskonzeptes ist das Jahr 2025. Bis dahin müssten dem Konzept zufolge 172 Millionen Euro in Verkehrsanlagen und -technik investiert werden, um das Ziel einer nachhaltigen Mobilität in der Stadt zu erreichen. 75 Millionen Euro dieser Summe, rechnet die Stadt, müsse sie selbst aufbringen. Für die übrige Summe hofft Potsdam auf Fördergelder von Land, Bund und Europäische Union. Finanziert werden sollen davon eine ganze Reihe von Infrastrukturvorhaben. So ist ein Ausbau des Straßenbahnnetzes geplant. Ganz vorn auf der Agenda steht die Anbindung des SAP Innovation Centers am künftigen Campus Griebnitzsee, für das im März dieses Jahres der Hochbau beginnen wird (PNN berichteten). Weiterhin ist die Tram-Anbindung von Golm sowie die Schaffung einer Gleistrasse in der Großbeerenstraße bis hin zum Kepler-Platz vorgesehen.

In der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) wurde die Abkehr von Tempo 30 begrüßt. "Wir hatten immer die Auffassung, dass die Hauptverkehrsadern der Stadt durchlässig sein müssen", sagte IHK-Präsident Victor Stimming auf PNN-Anfrage. Die Geschwindigkeit herabzusetzen, würde seiner Ansicht nach nur zu unnötigen "Verstopfungen" der Straßen führen. Die Folge wäre nicht zuletzt ein wirtschaftlicher Schaden, da viele Arbeitnehmer und Gewerbetreibende im Stau stünden, so Stimming.

Klipps Begründung für die Abkehr von verschärften Tempolimits in der Innenstadt: Da die Durchschnittsgeschwindigkeit in den Städten ohnehin nur bei 27 Kilometer pro Stunde liege, machten umfängliche Tempolimits keinen Sinn. Klipp: "Tempo 30 wäre eine Beschleunigung." Lediglich in der Leipziger Straße werde ein Tempo-30- Abschnitt aus Lärmschutzgründen "unvermeidlich" sein.

Klipp malte ein düsteres Bild vieler "Staus auf den begrenzten Trassen", sollte es nicht gelingen, den Modal Split – die Verteilung auf die verschiedenen Verkehrsarten in der Stadt – grundsätzlich weg vom Auto und hin zu anderen, umweltverträglichen Fortbewegungsmitteln zu verändern. Die Aufnahmefähigkeit der Straßen der Stadt "stößt schon jetzt an ihre Grenzen", so der Beigeordnete.

Klipp zufolge soll der Anteil des Autoverkehrs von jetzt 32 Prozent auf 23 Prozent des Gesamtverkehrs im Jahr 2025 sinken. Da die Zahl der Einwohner und der in Potsdam Arbeitenden stetig wachse und somit auch der Umfang des Gesamtverkehrs, würden selbst 23 Prozent Autoverkehr lediglich ein Beibehalten des derzeitigen Zustandes bedeuten. Klipp: "Wenn alles gut geht, wird der Autoverkehr bestenfalls konstant bleiben."

Als ein Hoffnungszeichen sieht Klipp die ermittelte Zahl von 410 Autos auf 1000 Potsdamer Haushalte: "Die Mehrheit der Potsdamer ist somit mobil ohne Auto und beweist täglich, dass es geht."

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten