Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 04.07.2012

Potsdams Stadtverwaltung hat auf den Unfall mit dem schwerverletztem Mädchen reagiert: Die Haltestellen-Ampel ist nun im 24-Stunden-Betrieb.

Potsdam-West - Die Potsdamer Verkehrsplaner ziehen Konsequenzen aus einem folgenschweren Verkehrsunfall am Dienstag vergangener Woche. Eine Ampel an der Straßenbahn-Haltestelle Stormstraße/Im Bogen, mit der der Fahrzeugverkehr vor dem Halt der Straßenbahn zum Stehen gebracht wird, ist seit Montag dieser Woche 24 Stunden am Tag in Betrieb, wie Stadtsprecherin Regina Thielemann den PNN bestätigte. Zuvor schaltete sich die Ampel um 22 Uhr ab. Ausgerechnet um 22.05 Uhr geschah der Verkehrsunfall, bei dem ein vierjähriges Mädchen schwer verletzt wurde. Wie berichtet war die Mutter mit ihrer Tochter an der Haltestelle aus der Straßenbahn ausgestiegen, die Vierjährige wurde auf der Zeppelinstraße von einem Auto der Marke BMW erfasst und mehrere Meter durch die Luft geschleudert. Passanten leisteten Erste Hilfe; das Kind musste in einem herbeigeeilten Notarztwagen reanimiert werden und wurde ins Klinikum „Ernst von Bergmann“ gebracht. Mit Verweis auf die ärztliche Schweigepflicht machte das Klinikum zum derzeitigen Gesundheitszustand des Mädchens keine Angaben. Bei dem Unfallfahrer handelt es sich um einen 23-Jährigen aus Werder. Der Mann hätte gemäß Straßenverkehrsordnung sein Auto vor der Haltestelle stoppen müssen, um den Fahrgästen das Verlassen der Straßenbahn über die Straße zu ermöglichen. Der Potsdamer Verkehrsbetrieb ViP teilte den PNN auf Anfrage mit, „grundsätzlich besteht an Haltestellen, wo die Tram in Mittellage hält und die Fahrgäste auf die Fahrbahn aussteigen, ein höheres Gefährdungspotenzial durch den übrigen Verkehr als beim Halt an Haltestelleninseln“. Deshalb habe der Gesetzgeber in der Straßenverkehrsordnung genaue Verhaltensregeln für alle Verkehrsteilnehmer vorgeschrieben, um den Fahrgästen ein gefahrloses und unbehindertes Ein- und Aussteigen zu ermöglichen. Haltestellen seien mit einem Verkehrszeichen explizit gekennzeichnet. Zusätzliche Warneinrichtungen, wie neue Signaleinrichtungen an den Bahnen, die Autofahrer vor aussteigenden Fahrgästen an Haltestellen warnen, hält der ViP für möglich. Dies müsste jedoch durch den Gesetzgeber bundesweit vorgegeben werden.

Nach Angaben des ViP gibt es in Potsdam derzeit noch sieben Tram-Haltestellen mit Ausstieg auf die Straße, wobei sich die Haltestelle Dortustraße gerade im Umbau befinde. Allerdings scheint nicht jeder Haltestellen-Umbau zur Erhöhung der Verkehrssicherheit zu führen. So wird von ViP-Kunden die Situation der Haltestellen in der Berliner Straße kritisch gesehen. Dort müssen Fahrgäste zunächst die Straße überwinden, um von oder zur haltenden Straßenbahn zu gelangen. Autofahrer missachteten jedoch häufig ihre Pflicht zum Anhalten (PNN berichteten).

Die Potsdamer Verkehrsbehörde hält sich in der Frage bedeckt, ob ein erhöhtes Gefahrenpotenzial an bestimmten Haltestellen vorhanden ist. Dies könne nur durch eine verkehrstechnische Untersuchung für die noch verbleibenden sechs Haltestellen mit Ausstieg auf offener Straße erfolgen. Dafür sei jedoch kein Geld im Haushalt vorgesehen, erklärte Stadtsprecherin Thielemann. Neben der Haltestelle Stormstraße/Im Bogen, wo der Unfall mit dem vierjährigen Mädchen geschah, gebe es lediglich noch an der Haltestelle Friedrich-Ebert-Straße/Alleestraße eine Ampel, die sich bei einem Tramstopp auf Rot schaltet. Dazu teilte die Stadt mit: „Es besteht keine Absicht, weitere Haltestellen zu signalisieren.“ gb

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten