Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 13.09.2013

Potsdamer Straßenbahn Tram-Ausbau fraglich

von Marco Zschieck

Die Straßenbahn sollkünftig häufiger zur Viereckremise fahren. Für Investitionen ins Netz fehlt jedoch das Geld.

Die Straßenbahn soll künftig häufiger in den Potsdamer Norden fahren. Der Potsdamer Verkehrsbetrieb (Vip) prüft derzeit, die Linie 96 im Zehn-Minuten-Takt fahren zu lassen, wenn die Linie zum geplanten Plattner-Campus am Jungfernsee verlängert werde, sagte Vip-Geschäftsführer Martin Grießner am Donnerstag. Allerdings stehe die Finanzierung des Streckenbaus derzeit infrage. Bisher fährt die Tram zur Endhaltestelle Viereckremise alle 20 Minuten. Die Nachfrage und Auslastung der Linien seien jedoch gewachsen, so Grießner.

Im Einzugsgebiet der Viereckremise wohnen immer mehr Menschen. Nicht nur dort, sondern in ganz Potsdam steigen die Fahrgastzahlen des Vip. 29 Millionen waren es im vergangenen Jahr – eine Steigerung von vier Prozent. „Eigentlich eine Erfolgsgeschichte“, so Grießner. Doch der zunehmende Bedarf durch das Wachstum der Stadt sei eine Herausforderung, die Vip und Stadt nicht ohne die Hilfe des Bundes bewältigen können. Doch der prüft, ob er sich nach 2019 aus der Finanzierung der kommunalen Verkehrsinfrastruktur zurückzieht.

In Potsdam ist deshalb nicht nur die Verlängerung zum Jungfernsee fraglich: Eine Weiterführung zum geplanten neuen Stadtteil in Krampnitz bezeichnete Grießner als Zukunftsmusik. Doch nicht nur beim Neubau gibt es Probleme: Auch die eigentlich ab 2015 beabsichtigte Sanierung der Tramstrecke durch die Heinrich-Mann-Allee steht auf der Kippe. Hier wurden die Gleise zuletzt vor 21 Jahren erneuert. Die 15 Millionen Euro für dieses Projekt sind ebenso wenig gesichert wie die elf Millionen Euro für den Umbau des Leipziger Dreiecks. „Diese Kosten werden wir nicht allein schultern können“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Dabei kosten nicht nur die Tramstrecken Geld. Allein für die Erneuerung seiner Busflotte benötige der Vip bis 2025 etwa 35 Millionen Euro.

Zu der Unsicherheit über die künftigen Bundesmittel kommt für Potsdam ein weiteres Problem: Ab dem kommenden Jahr verteilt das Land Brandenburg die fünf Millionen Euro aus dem sogenannten Entflechtungsgesetz nicht mehr projektbezogen, sondern als Pauschale. Potsdam soll pro Jahr 1,9 Millionen Euro erhalten. Im Schnitt der letzten Jahre waren es jedoch 2,9 Millionen.

An einer Stelle wird derzeit jedoch ganz ohne Fördermittel gebaut: Die Friedrich-Ebert-Straße wird zwischen Helene-Lange-Straße und Kurfürstenstraße erneuert. Für sieben Millionen Euro saniert die Stadt die Straße, der Vip baut neue Gleise und eine barrierefreie Haltestelle und die Energie und Wasser Potsdam tauscht die maroden Wasserrohre aus. Deshalb ist die Strecke ab Freitagabend um 20 Uhr bis zum Betriebsschluss am Sonntag gesperrt. Die Trams 92 und 96 enden am Platz der Einheit. Als Ersatz fahren Busse.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten