Straßenbahn

Das Übrige

Pressemeldung vom 24.02.2006

Tatras statt neue Trams

Kauf von 19 neuen Bahnen "sehr ernsthaft" in Gefahr

Potsdams Pläne, als Ersatz für die alten Tatras bald 19 neue Straßenbahnen zu kaufen, könnten sich bald erledigt haben. Sollte sich die Bundesregierung mit ihrem Vorhaben durchsetzen, die Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr in den kommenden vier Jahren um insgesamt 2,3 Milliarden Euro zu kürzen, "würde uns das einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machen", sagte gestern Potsdams Bürgermeister und Aufsichtsratschef des Verkehrsbetriebs, Burkhard Exner, auf PNN-Anfrage. Er befürchte "sehr ernsthaft", dass die Stadt dann auf keinen Fall die geplanten 19 Trams kaufen könne (PNN berichteten).

Der Kauf der Trams war bereits vor einigen Monaten wegen befürchteter Kürzungen der so genannten Regionalisierungsmittel auf Eis gelegt worden. Nunmehr befinde man sich in einer noch längeren "Hängepartie", sagte Exner. Denn erst nach den Entscheidung des Bundestags werde feststehen, wie viel Geld tatsächlich gekürzt wird. Zudem komme es dann darauf an, wie das Land Brandenburg diese Kürzungen weiterreiche. "Über den Kauf von neuen Bahnen können wir seriös aber erst dann entscheiden, wenn die Bedingungen klar sind", sagte Exner. Im "Extremfall" könnten die Kürzungen auch dazu führen, dass Potsdam gar keine neuen Bahnen kaufen könne. Dies würde bedeuten, dass die alten Tatras modernisiert werden müssten. Das aber sei "keine gute Option", unter anderem weil die Bahnen nicht zu Niederflurfahrzeugen ohne Einstiegshürden umgebaut werden könnten.

Nicht auszuschließen ist laut Exner zudem, dass der Potsdamer Verkehrsbetrieb (ViP) mit weniger Zuschüssen sein Streckenangebot einschränken müsse. Auch müsse dann der Wirtschaftsplan des ViP überarbeitet werden. Bisher sagt der Verkehrsvertrag dem Unternehmen für dieses und das kommende Jahr fünf Millionen Euro Zuschuss für den laufenden Betrieb zu; vom Land kommen etwa 2,2 Millionen Euro dazu. Für den gesamten Nahverkehr in Berlin-Brandenburg würden die vorgesehenen Einsparungen laut Exner bedeuten, jährlich 125 Millionen Euro weniger zur Verfügung zu haben. Damit würde dem ÖPNV ein "Bärendienst" erwiesen. SCH

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten